| Dr. med. Dorothea
Boehm zur Person
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Mail vom 20.2.2013 ------------- Dr. med. Dorothea Böhm, Am
Alten Dreisch 32b, 33605 Bielefeld www.fachportal-bildung-und-seelische-gesundheit.de
Öffentliche
Mail
Sehr geehrte Frau
Walter-Rosenheimer,
ich danke Ihnen,
dass Sie als Vorsitzende der Kinderkommission
zusammen mit einigen Fachleuten sich heute im
Rahmen einer öffentlichen Sitzung der
Kinderkommission mit der rechtlichen Absicherung
guter Lebensbedingungen für Kinder befassen.
In Ihrer
Antrittsrede als Vorsitzende der KiKo (Januar
2013) haben Sie - in Übereinstimmung mit den
Ergebnissen der KIGG-Studie (2003-2006) und der Bella-Studie 2007 - festgestellt: "Die
Chancen der Kinder hängen vom Geldbeutel der
Eltern...ab". Das stimmt, gute
Lebensbedingungen für Kinder, ihre
Bildungschancen und sogar ihre Gesundheit hängen
eindeutig von den Ressourcen ihrer Familien und
also auch von Geld ab. Ihnen als fünffacher
Mutter sage ich da nichts Neues, damit Mütter
und Väter gute Eltern sein können brauchen sie
genügend Ressourcen für ihre unersetzliche
innerfamiliäre Versorgungs- und Erziehungsarbeit
- nicht nur ausreichend Geld sondern auch
angemessen viel Zeit.
Kinder armer
Eltern sind nicht nur benachteiligt sondern in
ihrer Entwicklung stark gefährdet. Der
politische Handlungsbedarf besteht seit Jahren,
und nicht nur das, laut den Zahlen der Armuts- und
Reichtumsberichte der Bundesregierung nimmt er seit Jahren zu!
Die Forderung nach
Kinderrechte ins Grundgesetz kann dazu
beitragen, die Situation zu verbessern.
Kinderrechte beziehen sich naturgemäß auf kinderspezifische
Bereiche, also die Phasen des Hirnwachstums bzw.
der körperlichen, geistigen und seelischen
Entwicklung. Für die Formulierung der
Kinderrechte sind allerdings Kenntnisse der
spezifischen Bedingungen für eine gesunde
körperliche und seelische Entwicklung
unabdingbar. Und obwohl hierzu
Veröffentlichungen existieren, kursieren etliche
Fehlkonzeptionen, von denen manche kein
Irrtum sind sondern ideologisch-absichtlich und
systematisch verbreitet werden.
Dazu ein Beispiel:
Die Wissenschaft ist bis dato den Beleg für
statistisch relevanten, nachhaltig besseren
Outcome von krippenbetreuten gegenüber
familienerzogenen Kindern schuldig geblieben.
(Vermutlich um politisch-inopportunen Ergebnissen
vorzubeugen, hat man entsprechend konzipierte
Studien bisher vermieden durchzuführen).
Dem fehlenden
Positivbeleg zum Trotz wird "frühkindliche
Bildung in Krippen" weiterhin wie ein
Mantra beschworen. (Jörg Dräger, der sog. Bildungsexperte
der Bertelsmann-Stiftung, sprach im Zusammenhang
mit dem Betreuungsgeld sogar öffentlich und
unwidersprochen von
"Verdummungsprämie").
Tatsächlich
wissenschaftlich nachgewiesen wurde dagegen, dass
Ex-Krippenkinder noch 15 Jahre später, als
Teenager, statistisch mehr Verhaltensprobleme
zeigen, und man kann heute per Messung der
Cortisol-Tagesprofile in Speichelproben belegen,
dass Krippenkinder unter massiver
chronischer Stressbelastung stehen, weil dort
ihre Entwicklungsbedürfnisse unerfüllt bleiben,
denn sie haben altersstandsgemäß ein Ganztagsbedürfnis
an emotionaler Sicherheit in Form von
Verfügbarkeit einer emotional involvierten
konstanten Beziehungsperson, welche in
staatlichen Gruppeneinrichtungen so nicht
vorhanden sein können.
Chronische
Stressbelastung, momentan medial breitenwirksam
beklagt, ist nicht nur für Erwachsene
gefährlich, für Kinder ist sie noch deutlich
gravierender: Chronischer Stress im
Kleinkindalter hat kurz- und langfristig
erhebliche negative Auswirkungen auf die
Entwicklung und damit die lebenslange Gesundheit
(siehe dazu auch "Die dunkle Seite der Kindheit", im PS).
Im Ausmaß der
Stresserzeugung für Kleinkinder ähnelt
Krippenbetreuung den Phänomenen
Vernachlässigung und Misshandlung. Trotzdem
werden Krippenplätze ausgebaut, beworben,
subventioniert und demnächst sogar mit
Rechtsanspruch versehen. Das alles tritt
Kinderrechte mit Füßen!
Kindliche
Bedürfnisse wechseln nicht mit politischen
Ausrichtungen, Wirtschaftsanforderungen oder
Ideologien, sie sind Parameter der menschlichen
Entwicklung und seit je her dieselben geblieben. Kleinkinder
brauchen die grundgesetzliche Absicherung ihres
Rechts, von einem Menschen, dem sie voll
vertrauen, der sie liebt, und der sich ihnen im
Falle von Trost- und Zuspruchsbedürfnis zeitnah,
lang genug und individuell zuwendet, ganztags
betreut zu werden.
Vielen Dank für
die Kenntnisnahme und viel Erfolg für den
heutigen Termin,
Dorothea Böhm
PS:
"Die dunkle Seite der Kindheit"
Kleinkinder
dauerhaftem Stress auszusetzen, ist unethisch,
verstößt gegen Menschenrecht, macht akut und
chronisch krank. Dieses Wissen hindert die
Bundesregierung und Wirtschaftsverbände nicht
daran, die Erhöhung der Zahl der
außerfamiliären Betreuungsplätze zum Ausweis
moderner Familienpolitik zu stilisieren. Eine
Analyse der Risiken und Nebenwirkungen der
deutschen Krippenoffensive.
Von Dr. Rainer
Böhm
... (Text hier
gekürzt)... Chronische Stressbelastung ist im
Kindesalter die biologische Signatur der
Misshandlung. Kleinkinder dauerhaftem Stress
auszusetzen, ist unethisch, verstößt gegen
Menschenrecht, macht akut und chronisch krank.
Ein freiheitlicher Staat, der frühkindliche
Betreuung in großem Umfang fördert, ist
verpflichtet nachzuweisen, dass die betroffenen
Kleinkinder keine chronische Stressbelastung
erleiden. Der Gesetzgeber sollte daher von seinen
derzeitigen Planungen Abstand nehmen, ein Recht
auf außerfamiliäre Betreuung ab dem ersten
Geburtstag einzuführen.
Verfasser: Dr.med.
Rainer Böhm, Kinder- und Jugendarzt, Schwerpunkt
Neuropädiatrie, Psychosomatische Grundversorgung,
Leitender Arzt des Sozialpädiatrischen Zentrums
Bielefeld-Bethel,
Tagungspräsident
der 63. wissenschaftlichen Jahrestagung der
Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie und
Jugendmedizin (DGSPJ), Bielefeld 2011
Mitglied im
wissenschaftlichen Beirat der 107. Jahrestagung
der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde
und Jugendmedizin (DGKJ) 2011
Mitglied im
Expertenbeirat des Instituts für
Bindungswissenschaften
www.fachportal-bildung-und-seelische-gesundheit.de
PPS: Die Nachricht
geht als blind-copy an die Kommissionsmitglieder
und ihre Stellvertreter, die eingeladene
Expertenrunde sowie einige ausgewiesene Fachleute
und das Familienministerium. Außerdem wird sie
auf meiner persönlichen Seite dorotheaboehm.de gepostet und öffentlich
einsehbar.
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Original-Nachricht --------
Betreff: ZEIT
FORUM WISSENSCHAFT: Zukunft mit Kindern?! am
13.12.2012 in Berlin, Datum: Wed, 12 Dec 2012
17:35:44 +0100, Von: Dorothea Böhm
<dorothea.boehm@arcor.de>
An: hbertram@rz.hu-berlin.de, info@dkjs.de,
info@berlin-institut.org,
poststelle@bmfsfj.bund.de,
kristina.schroeder@bundestag.de,
zeit-stiftung@zeit-stiftung.de,
Ulrich.Blumenthal@dradio.de,
zeit-forum@vf-holtzbrinck.de,
Andreas.Sentker@zeit.de
Dr. med. Dorothea
Böhm, Am Alten Dreisch 32b, 33605 Bielefeld
Offene
Mail
Betr.:
Anmerkungen zum ZEIT FORUM WISSENSCHAFT:
Zukunft mit Kindern?! am 13.12.2012
Sehr geehrte Damen
und Herren,
Sie sind als
Diskussionsteilnehmer, Organisatoren oder
Moderatoren Teilnehmer der morgigen o.g.
Veranstaltung.
Die bisherige
Schwerpunktsetzung vergleichbarer Veranstaltungen
lässt befürchten, dass der folgende Punkt nicht
genügend Berücksichtigung finden wird: Die
finanzielle Situation von Familien ist
erschütternd und muss dringend verbessert
werden. Bitte aber nicht dadurch, dass man Eltern
doppelte Arbeit (innerfamiliär und
beruflich) leisten lässt und sie dafür wie
bisher mit nur einem Gehalt abspeist. Das
ist Ausbeutung.
Selbsterziehende
Eltern leisten nicht nur wertvolle Arbeit, die
ihnen bisher gratis abgefordert wird, sie müssen
außerdem die (immer weiter gestiegenen)
Alltagsverbrauchskosten für ihre Kinder
überwiegend selbst bestreiten. Mit dem Ergebnis,
dass Eltern zu jeder Zeit im Leben ärmer sind
als gleichaltrige Kinderlose, je mehr Kinder sie
haben, desto gravierender ist der Unterschied.
So lange sich
daran nichts ändert, wird weder die Geburtenzahl
angehoben noch die klägliche Situation armer
Kinder verändert werden.
Einfacher und
schneller Ausgleich der finanziellen Schieflage
wäre z.B. durch ein ausreichend dimensioniertes Kindergrundeinkommen erreichbar.
Selbsterziehende Eltern bekämen dann, was jedem
zusteht: Einen finanziellen Gegenwert für ihre
familiäre Arbeitsleistung. Eltern, die nach der
Familienarbeitsphase einer Berufstätigkeit
nachgehen wollen, hätten ausreichende Mittel zur
Verfügung, die Beaufsichtigung ihrer Kinder als
externe Arbeitsleistung zu organisieren und
selbst zu finanzieren.
Bitte bedenken
Sie, dass für U3-Kinder
Tagesgruppenbetreuung nicht nur nutzlos sondern
schädlich ist, ob es uns
politisch-weltanschaulisch passt oder nicht.
- Der kognitive
Nutzen von Krippenbetreuung ist - sofern
überhaupt vorhanden - minimal und
überhaupt nur bei exzellenter
Ausstattung der Einrichtung vorhanden
(derzeit für kaum 10% aller Krippen
umgesetzt)
- Krippenbetreuung
wirkt sich negativ auf die
psychoemotionale Entwicklung aus. (Zu den
Details der diesbezüglichen Forschung
möchte ich Sie auf das Fachportal Bildung
und seelische Gesundheit verweisen).
U3-Kinder, je
früher und länger sie sich in
Tagesgruppenbetreuung befinden, werden -
lebenslang - umso reizbarer, aggressiver und
impulsiver. Ihr Hirn stellt sich auf chronischen
Belastungsstress ein, indem sie während der
sensiblen Hirnentwicklungsphase (0-36 Monate)
unter dem Einfluss von massivem chronischem
Stress stehen. Objektivierbar wird dieser Stress
anhand der in Speichelproben messbaren
Cortisoltagesprofilwerte, die für Krippenkinder
sehr ähnlich verändert sind wie bei Kindern,
die misshandelt, missbraucht oder grob
vernachlässigt werden! Wenn man die
physiologischen Werte der drei genannten
entwicklungswidrigen Einflüsse vergleicht, dann
muss man schlussfolgern: Krippenbetreuung
ist Kindesmisshandlung.
Zwar die meisten
aber nicht alle Menschen sind angemessen
fürsorglich, hier wären elternzentrierte
Unterstützungsangebote zur Verbesserung der
Eltern-Kind-Interaktionen hilfreich. Insgesamt
bzw. statistisch ausgedrückt sind U3-Kinder
jedoch mit Abstand am besten in ihren Familien
aufgehoben.
Eine Zukunft mit
Kindern haben wir nur, wenn mehr
finanzielle Mittel in den Lebens- und
Arbeitsbereich Familie fließen. Die
Neubewertung bisher unentgeltlich geleisteter
Arbeit wäre nicht nur gerecht sondern auch
familienfreundlich.
Mit Dank für die
Kenntnisnahme und freundlichen Grüßen,
Dorothea Böhm
ZEIT FORUM
WISSENSCHAFT: Zukunft mit Kindern?! am 13.12.2012
in Berlin
Es
diskutieren
- Prof. Hans Bertram,
Lehrstuhl für Mikrosoziologie an der
Humboldt-Universität zu Berlin und
Mitglied der Berlin-Brandenburgischen
Akademie der Wissenschaften,
- Dr. Heike Kahl,
Geschäftsführerin Deutsche Kinder und
Jugendstiftung,
- Dr. Reiner Klingholz,
Geschäftsführer Berlin-Institut für
Bevölkerung und Entwicklung,
- Dr. Kristina Schröder,
Bundesministerin für Familie, Senioren,
Frauen und Jugend.
Gesprächsleitung:
- Ulrich Blumenthal,
Redaktionsleiter "Forschung
aktuell", Deutschlandfunk,
- Andreas Sentker, Leiter
Ressort Wissen, DIE ZEIT
Veranstaltungsdaten:
- DIE ZEIT und die
ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius,
in Kooperation mit dem Deutschlandfunk
und der Berlin-Brandenburgischen Akademie
der Wissenschaften
- Datum: Donnerstag,
13.12.2012, Ort: Berlin-Brandenburgische
Akademie der Wissenschaften,
- Markgrafenstr. 38, 10117
Berlin,
- Beginn: 18.00 Uhr,
- Anmeldung:
Veranstaltungsforum der Verlagsgruppe
Georg von Holtzbrinck, E-Mail:
zeit-forum@vf-holtzbrinck.de
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Zum Umgang der
Medien mit den Themen Familienpolitik,
frühkindliche Gruppenbetreuung und
Kinderentwicklung
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Offene Mail an die Unterzeichnenden
des Beitrags "Zurück in die
Vergangenheit", ZEIT Nr. 40, vom 13.9.2012,
S. 40
Sehr
geehrte Damen und Herren,
Sie haben als Unterzeichnende in der ZEIT,
Ausgabe 40 vom 13.9.2012, den
Appellcharakter-Beitrag "Zurück in
die Vergangenheit veröffentlicht,
einen Tag vor der entsprechenden Anhörung im
Deutschen Bundestag. Im Umkehrschluss lautet Ihre
Forderung, man solle weiter in die
Zukunft gehen, nicht wahr? Genau
welche Zukunft meinen Sie? Die mit noch weniger
Kindern, oder die mit noch mehr Scheidungen, mehr
Übergewichtigen, mehr Depressionen und mehr
Menschen mit Burn-Out?
Die finanzielle Situation von Müttern und
Vätern ist in der Tat beklagenswert und muss
dringend verbessert werden, aber doch bitte nicht
dadurch, dass man Eltern weiter ausbeutet.
Selbsterziehende Eltern leisten wertvolle Arbeit,
die der Gesellschaft zwangsweise gespendet wird.
Weiterhin müssen Eltern die (immer weiter
gestiegenen) Alltagsverbrauchskosten für ihre
Kinder fast alleine bestreiten. Das Ergebnis:
Selbsterziehende Eltern sind zu jeder Zeit im
Leben ärmer als gleichaltrige Kinderlose. Mit
jedem Kind wächst die Familienarmut. Das ist
nichts anderes als Beraubung, und es schadet
Eltern und Kindern. Die Lebens- und
Entwicklungschancen von Kindern armer Eltern sind
stark gemindert, siehe die im Mai 2007
veröffentlichte Basispublikation der Studie zur
Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in
Deutschland, KIGGS.
Einfachen und schnelle Ausgleich der finanziellen
Schieflage zu Lasten von Familien wäre z.B.
durch ein ausreichend dimensioniertes
Kindergrundeinkommen erreichbar. Es könnte durch
Umlenkung überflüssiger Subventionen finanziert
werden, Krippensubventionen etwa. Man würde
damit drei Ziele erreichen: Familien wären
finanziell nicht länger die Kirchenmäuse der
Gesellschaft, Mütter und Väter hätten mehr
zeitlichen und kräftemäßigen Spielraum für
die Kindererziehungsarbeit, und sie bekämen, was
jedem zusteht, einen finanziellen Gegenwert für
ihre Arbeitsleistung. Gleichzeitig entsteht
Gestaltungsfreiraum: Eltern, die ab einem
bestimmten Zeitpunkt einer Berufstätigkeit
nachgehen wollen, hätten ausreichende Mittel zur
Verfügung, eine andere Person oder auch
Institution mit der Betreuung ihrer Kinder zu
beauftragen und diese externe Arbeitsleistung zu
finanzieren.
Beim Absatz über gute pädagogische
Kindertagesbetreuung lassen Sie
unerwähnt, dass dieses Argument nur für den Ü3-Bereich
greift, also für Kinder ab 3. Geburtstag in
Kindergärten, und natürlich auch nur, wenn
diese Einrichtungen sehr gut ausgestattet und
geführt sind.
Für die U3-Kinder, also für die ersten drei
Lebensjahre, sind Ihre Argumente rundheraus
unzutreffend und irreführend. Der kognitive
Nutzen von Krippenbetreuung ist - sofern
überhaupt vorhanden - erschütternd winzig, und
Krippenbetreuung wirkt sich außerdem auch noch
negativ auf die psychoemotionale Entwicklung aus.
Diese Zusammenhänge dürfen Sie keinesfalls
unterschlagen, wenn Sie einen solchen Aufruf
unterschreiben und veröffentlichen! (Ich gräme
mich darüber, dass Sie sich als Mitglieder der
Bildungsoberschicht vor Ihrer Unterschrift
offenbar so wenig über den aktuellen Stand der
Stressforschung informiert haben, und noch mehr
schmerzt mich, dass sogar einige wenige
Entwicklungspsychologen unter Ihnen sind, die die
genannten Zusammenhänge kennen mussten und wider
besseres Wissen unterschrieben haben).
Eltern müssen dem Stand der Wissenschaft
entsprechend über die Risiken von
Krippenbetreuung aufgeklärt werden. Mütter und
Väter müssen vor der
Betreuungsentscheidung erfahren, dass ihre
Kinder, je früher und länger sie sich in
Tagesgruppenbetreuung befinden, lebenslang umso
reizbarer, stressanfälliger, aggressiver und
impulsiver werden, weil sie während einer
sensiblen Hirnentwicklungsphase unter dem
Einfluss von massivem chronischem Stress
gestanden haben werden. Objektivierbar wird
dieser Stress anhand der in Speichelproben
messbaren Cortisoltagesprofilwerte, die für
Krippenkinder sehr ähnlich verändert sind wie
bei Kindern, die misshandelt, missbraucht oder
grob vernachlässigt werden. Wenn man die
physiologischen Werte vergleicht, dann muss man
schlussfolgern: Krippenbetreuung ist
Kindesmisshandlung.
Nicht alle Menschen sind angemessen fürsorgliche
Eltern, aber 98% sind es, auch in den sog.
bildungfernen Schichten. Statistisch gesehen sind
U3-Kinder in den ersten drei Lebensjahren mit
Abstand am besten in ihren Familien aufgehoben.
(Zu den Details der diesbezüglichen Forschung
möchte ich Sie auf das Fachportal Bildung und
seelische Gesundheit verweisen). Wir sollten aufhören
zu subventionieren, was Kindern schadet. Nach dem
Suffizienzprinzip müssten finanzielle Mittel
deutlich verstärkt in den Arbeitsbereich Familie
fließen.
Das Betreuungsgeld ist nur insofern falsch, als
es viel zu niedrig ist und zu kurz gezahlt wird.
Selbsterziehende Eltern in Vollzeit verrichten
eine wertvolle Arbeit, die allen, auch
Kinderlosen, zugute kommt, weil Kinder später
nicht (wie vormals) nur ihre Eltern versorgen
sondern die späteren Rentenerwirtschafter für
die gesamte Gesellschaft sind. Familiäre
Erziehungsarbeit gehört aufwandsangemessen
finanziert und Kinderalltagsverbrauchskosten
gehören gesamtgesellschaftlich getragen.
Das
wäre gerecht, familienfreundlich und
kinderförderlich.
So
geht moderne Familienpolitik.
Mit
Dank für die Kenntnisnahme und freundlichen
Grüßen,
Dorothea
Böhm
Die
Unterzeichner sind Ökonomen,
Erziehungswissenschaftler, Psychologen,
Soziologen, Rechtswissenschaftler und
Mediziner. Viele von ihnen sitzen oder saßen
in Beratungsgremien der Bundesregierung,
vornehmlich zur Familienpolitik.
Prof. Jutta
Allmendinger (Wissenschaftszentrum Berlin
für Sozialforschung), Prof. Sabine Andresen
(Universität Frankfurt), Prof. Hans Bertram
(Humboldt-Universität, Berlin), Prof.
Hans-Werner Bierhoff (Ruhr-Universität
Bochum), Prof. Martin Diewald (Universität
Bielefeld), Prof. Sigrun-Heide Filipp
(Universität Trier), Prof. Wassilios
Fthenakis (Freie Universität
Bozen/Universität Bremen), Prof. Karin
Gottschall (Universität Bremen), Prof.
Karsten Hank (Universität Köln), Prof.
Johannes Huinink (Universität Bremen), Prof.
Michael Hüther (Institut der deutschen
Wirtschaft, Köln), Prof. Klaus Hurrelmann
(Hertie School of Governance, Berlin), Prof.
Berthold Koletzko (Universität München),
Dr. Michaela Kreyenfeld (Max-Planck-Institut
für demografische Forschung, Rostock), Prof.
Birgit Leyendecker (Ruhr-Universität
Bochum), Prof. Uta Meier-Gräwe
(Justus-Liebig-Universität Gießen), Prof.
Notburga Ott (Ruhr-Universität Bochum),
Prof. Hans-Uwe Otto (Universität Bielefeld),
Prof. Helmut Rainer (ifo Institut und
Ludwig-Maximilians-Universität München),
Prof. Kirsten Scheiwe (Universität
Hildesheim), Prof. Reinhold Schnabel
(Universität Duisburg-Essen), Prof. Axel
Schölmerich (Ruhr-Universität Bochum),
Prof. Wolfgang Schöer (Universität
Hildesheim), Prof. Katharina Spieß (DIW
Berlin und Freie Universität Berlin), Prof.
Klaus Peter Strohmeier (Ruhr-Universität
Bochum), Prof. Heike Trappe (Universität
Rostock), Prof. Martin Werding
(Ruhr-Universität Bochum)
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Offene Mail:
-------- Original-Nachricht --------
Dr.
med. Dorothea Böhm - Am Alten Dreisch 32b -
33605 Bielefeld - Tel: 0521 9201444
Offene
Mail
Betr.:
Kommentar zur Studie "Gesamtwirtschaftliche Effekte
einer Ganztagsbetreuung von Kindern von
Alleinerziehenden". IWF März 2012
Sehr
geehrte Damen und Herren,
Sie
verweisen in der o.g. Studie unter anderem
darauf, dass das "Wohlergehen der Kinder
zentral im Blick bleiben" muss.
Ihre Studie löst diesen Anspruch bewusst
nicht ein, ihre selektive Quellenauswahl
beweist vielmehr, dass man die frühe Kindheit
keinesfalls Ökonomen, Wirtschaftsinstituten,
Bildungsforschern und Politikern überlassen
darf.
Sie
haben die Langzeitergebnisse der mit Abstand
aussagekräftigsten wissenschaftlichen Studie zum
Thema Betreuung (NICHD) unberücksichtigt
gelassen. Dort wurde nachgewiesen, dass Kinder,
die ganztags in der Krippe waren, später mehr
als zehnmal (!) so häufig aggressives
Verhalten im klinischen Risikobereich zeigten wie
familiär betreute Kinder. Womöglich noch
gravierender sind die neuesten Ergebnisse der Wiener
Krippenstudie, die schwere chronische
Stressbelastungen für die in Krippen
betreuten Kinder nachweist, und die Sie leider
ebenso wenig berücksichtigt haben. Die
lebenslangen Folgen von early life
stress sind eines der wichtigsten
Themen der aktuellen
neurowissenschaftlich-psychoepidemiologischen
Forschung.
Bei ganzheitlicher
Betrachtung des Themas erlauben aktuelle
wissenschaftliche Daten folgenden Schluss: Frühe
Förderung ist sinnvoll, aber sie muss in
den ersten drei Jahren im Rahmen der Familie erfolgen.
(Studien, die diesen Weg beobachtet haben, z.B.
das Brookline-Project, zeigen die gleichen
Erfolgsraten wie z.B. das Perry Preschool
Project. Auf diese Weise kann man die Bildungsrendite
einstreichen, ohne die Kinder
unverantwortlichen seelischen Belastungen und
lebenslangen Risiken für ihre psychische
Gesundheit auszusetzen).
Für
eine langfristig gesunde und erfolgreiche
Entwicklung von Kindern ist die sozioemotionale
Entwicklung mindestens so
wichtig wie die kognitive. In den ersten drei
Lebensjahren ist es entscheidend, dass die
primären Bezugspersonen (meist Mütter und
Väter) nicht knappest möglich sondern
umfänglich Kraft, Zeit UND Geld für die
Versorgungs- und Erziehungsarbeit zur Verfügung
haben.
Einer
am Wohlergehen von Kindern orientierten und damit
vernünftigen Lösung im Wege steht allerdings
die kapitalistische Ideologie. Sie hängt
der Forderung nach mehr U-3 Betreuung (Krippen)
das pseudowissenschaftliche Mäntelchen der
Frühförderung um, dabei hat sich das längst
als irrig herausgestellt. Die Wirtschaft
hat es in erster Linie auf die Arbeitskraft
junger Eltern abgesehen, mit der auf dem Rücken
der Kinder das letzte Flackern einer zum
Aussterben bestimmten Wachstumsparanoia angefacht
werden soll.
Auf
Wunsch lasse ich Ihnen gerne die genauen
Quellenangaben und -links zukommen.
Mit
Dank für die Kenntnisnahme und freundlichen
Grüßen,
Dorothea
Böhm
|
Offene Mail
28.10.2011 an den WDR WESTPOL Sendung vom 23.
Oktober 2011 Glaubenskrieg
Kinderbetreuung
an die verantwortliche Redakteurin
Martina Koch, (sowie CC Jörg Dräger,
Bertelsmann, CC Birgit Kelle, frau 2000plus e.V.)
Sehr geehrte Frau
Koch,
Sie haben im o.g.
Beitrag eine Gegenüberstellung der Modelle
gebracht, deren eine Seite Birgit Kelle
(selbsterziehende Mutter) und ich als Ärztin (in
Vertretung meines Mannes Dr. Rainer Böhm,
Neuropädiater, Leiter des SPZ Bielefeld und
damit Fachmann für seelische und körperliche
Kinderentwicklung), die andere von Delia Braam
(berufstätige Mutter) und Jörg Dräger
(Vorstandsmitglied Bertelsmann, fachliche
Expertisen in Physik und Betriebswirtschaft)
vertreten wurden.
Sie zitierten
einerseits die NICHD-Studie (USA, Belsky et al.),
andererseits eine Veröffentlichung von
Bertelsmann, und zwar als Pro- und
Contra in jeweils einem Satz zusammen
gefasst. Ihre ZuschauerInnen mussten den
Eindruck gewinnen, dass hier zwei gleichwertige
Arbeiten gegenübergestellt wurden.
Das ist, kurz
gesagt, Desinformation.
Begründung: Die
NICHD-Studie ist in Konzept, Zeitrahmen, Zahlen,
Kontrollen und Auswertung eine umfassende
wissenschaftliche Studie, während die von ihnen
zitierte Veröffentlichung von Bertelsmann unter
den eingangs aufgelisteten wissenschaftlichen
Gesichtspunkten nicht verwertbar ist und gar
nicht als "Studie" bezeichnet werden
sollte. Und während es flankierend zu NICHD
inzwischen zahlreiche Arbeiten gibt, deren
Ergebnisse in eine analoge Richtung gehen, gibt
es weltweit keine einzige Langzeitstudie,
die wissenschaftlich belegt, dass institutionelle
Betreuung von Kindern bis drei Jahre der
familiären Erziehung auch nur gleichwertig ist -
geschweige denn von Vorteil für die seelische
Entwicklung der Kinder wäre.
Sie haben bei
meinem Mann und mir den Eindruck erweckt, Ihre
Zuschauerschaft sachbezogen informieren zu
wollen, damit diese sich eine informierte
Meinung bilden kann. Für diese
journalistisch-redliche Haltung - nur
für diese! - haben wir Ihnen im Vorfeld
Material geschickt und unsere Mitarbeit
angeboten.
Seriöse
redaktionelle Arbeit wäre gewesen zu referieren,
dass auf der Basis aktueller wissenschaftlicher
Ergebnisse Gruppentagesbetreuung in den ersten
beiden Lebensjahren riskant für die seelische
Entwicklung ist, weil sie statistisch signifikant
nachteilige lebenslang wirksame Veränderungen in
der Stress- und Emotionsregulation verursacht.
Diese Mail werde
ich auf meiner Homepage veröffentlichen.
Mit Dank für die
Kenntnisnahme und freundlichen Grüßen,
Dorothea Böhm
|
Offene Mail
2.11.2011 an Redakteur Andreas Kegel, BR -
Faszination Wissen - Sendung vom 24. Februar 2011
- Sinn und Unsinn der
frühkindlichen Bildung (Cachedaten-Link, Im
BR-Archiv nicht auffindbar)
Sehr geehrter Herr
Kegel,
im Anschluss an
unseren Mailwechsel von Ende 2010 haben Sie im
Februar 2011 einen Beitrag über
Gruppentagesbetreuung im Kleinkindalter erstellt
("Sinn und Unsinn der
frühkindlichen Bildung ").
Dabei haben Sie
die von mir auf Ihre Anfrage Ende 2010 gelisteten
Studien großenteils außer Acht gelassen und
stattdessen unter anderem Referenzen bemüht,
welche die adäquate fachliche Expertise - und
damit natürlich auch die wissenschaftliche
Verwertbarkeit - vermissen lassen, z.B. die sog.
"Bertelsmann-Studie". (Die
besagte Veröffentlichung dient der
(wirtschaftsorientierten) Einflussnahme, Eltern
zur Inanspruchnahme von Krippen zu bewegen).
Leider machte ich
im Oktober 2011 abermals die Erfahrung, dass sich
Redakteure mit der Bitte um Information aus dem
Themenbereich Kleinkindertagesbetreuung und
frühkindliche Bildung an uns bzw. mich wenden,
im tatsächlichen Beitrag (für den ich als
Interviewpartnerin vor der Kamera auch zur
Verfügung stand) dann aber in dubioser Weise mit
dem Thema umgingen, indem die o.g. Propanda den
echten wissenschafltichen Studien gegenüber
gestellt und implizit als gleichwertig
präsentiert wurde.
Frühpädagogen
verbreiten zwar die Meinung, dass es egal
sei, ob Kleinkinder in der Familie oder in einer
Einrichtung lernen, Hauptsache, die Einrichtung
sei gut, aber Entwicklungspsychologen und
Stressforscher widersprechen dieser Meinung für
die ersten Lebensjahre eines Kinds eindeutig, und
sie belegen dies auch mit Studien -
im Gegensatz zu den Frühpädagogen, die bisher
jeden wissenschaftlichen Beweis der
Vorteilhaftigkeit (oder wenigstens
Ebenbürtigkeit) von Krippenbetreuung gegenüber
Familienerziehung schuldig geblieben sind.
Auch in den von
Ihnen zitierten "benachteiligten
Familien" ist es wesentlich sinnvoller und
effektiver, die Eltern darin zu unterstützen,
dass und wie sie ihre Elternrolle angemessen
ausfüllen können, und ihnen genügend Geld und
Zeit für die Familienerziehungsarbeit
zuzumessen, anstatt dass man ihre Kleinkinder
halb oder gar ganztags von ihnen wegorganisiert.
Für Kinder
zwischen 3 und 6 Jahren kann ein gut
ausgestatteter Kindergarten eine wertvolle
Ergänzung der Familienerziehung sein und ist
daher zu befürworten, aber bis zum dritten
Lebensjahr sind Kinder in ihren Familien in der
Regel viel besser aufgehoben. Nach diesem Stand
des Wissens müsste sich natürlich auch die
Familienpolitik ausrichten, die momentan das
Gegenteil davon tut.
Diese Mail werde
ich auf meiner Homepage veröffentlichen.
Mit Dank für die
Kenntnisnahme und freundlichen Grüßen,
Dorothea Böhm
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Nachruf auf
Wolfgang Bergmann
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