| Aktivitäten,
Angebote und Interessengebiete von Dr. med. Dorothea
Boehm zur Person

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Aktuell:
Auswirkungen
frühkindlicher Gruppenbetreuung auf die
Entwicklung und Gesundheit von Kindern.
Sozialpädiatrie
Aktuell 82 (2011) Nr. 5, Autor Dr. med. Rainer
Böhm
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Zum
Umgang der Medien mit den Themen Familienpolitik,
frühkindliche Gruppenbetreuung und
Kinderentwicklung
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Offene Mail:
-------- Original-Nachricht --------
Dr.
med. Dorothea Böhm - Am Alten Dreisch 32b -
33605 Bielefeld - Tel: 0521 9201444
Offene
Mail
Betr.:
Kommentar zur Studie "Gesamtwirtschaftliche Effekte
einer Ganztagsbetreuung von Kindern von
Alleinerziehenden". IWF März 2012
Sehr
geehrte Damen und Herren,
Sie
verweisen in der o.g. Studie unter anderem
darauf, dass das "Wohlergehen der Kinder
zentral im Blick bleiben" muss.
Ihre Studie löst diesen Anspruch bewusst
nicht ein, ihre selektive Quellenauswahl
beweist vielmehr, dass man die frühe Kindheit
keinesfalls Ökonomen, Wirtschaftsinstituten,
Bildungsforschern und Politikern überlassen
darf.
Sie
haben die Langzeitergebnisse der mit Abstand
aussagekräftigsten wissenschaftlichen Studie zum
Thema Betreuung (NICHD) unberücksichtigt
gelassen. Dort wurde nachgewiesen, dass Kinder,
die ganztags in der Krippe waren, später mehr
als zehnmal (!) so häufig aggressives
Verhalten im klinischen Risikobereich zeigten wie
familiär betreute Kinder. Womöglich noch
gravierender sind die neuesten Ergebnisse der Wiener
Krippenstudie, die schwere chronische
Stressbelastungen für die in Krippen
betreuten Kinder nachweist, und die Sie leider
ebenso wenig berücksichtigt haben. Die
lebenslangen Folgen von early life
stress sind eines der wichtigsten
Themen der aktuellen
neurowissenschaftlich-psychoepidemiologischen
Forschung.
Bei ganzheitlicher
Betrachtung des Themas erlauben aktuelle
wissenschaftliche Daten folgenden Schluss: Frühe
Förderung ist sinnvoll, aber sie muss in
den ersten drei Jahren im Rahmen der Familie erfolgen.
(Studien, die diesen Weg beobachtet haben, z.B.
das Brookline-Project, zeigen die gleichen
Erfolgsraten wie z.B. das Perry Preschool
Project. Auf diese Weise kann man die Bildungsrendite
einstreichen, ohne die Kinder
unverantwortlichen seelischen Belastungen und
lebenslangen Risiken für ihre psychische
Gesundheit auszusetzen).
Für
eine langfristig gesunde und erfolgreiche
Entwicklung von Kindern ist die sozioemotionale
Entwicklung mindestens so
wichtig wie die kognitive. In den ersten drei
Lebensjahren ist es entscheidend, dass die
primären Bezugspersonen (meist Mütter und
Väter) nicht knappest möglich sondern
umfänglich Kraft, Zeit UND Geld für die
Versorgungs- und Erziehungsarbeit zur Verfügung
haben.
Einer
am Wohlergehen von Kindern orientierten und damit
vernünftigen Lösung im Wege steht allerdings
die kapitalistische Ideologie. Sie hängt
der Forderung nach mehr U-3 Betreuung (Krippen)
das pseudowissenschaftliche Mäntelchen der
Frühförderung um, dabei hat sich das längst
als irrig herausgestellt. Die Wirtschaft
hat es in erster Linie auf die Arbeitskraft
junger Eltern abgesehen, mit der auf dem Rücken
der Kinder das letzte Flackern einer zum
Aussterben bestimmten Wachstumsparanoia angefacht
werden soll.
Auf
Wunsch lasse ich Ihnen gerne die genauen
Quellenangaben und -links zukommen.
Mit
Dank für die Kenntnisnahme und freundlichen
Grüßen,
Dorothea
Böhm
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Offene Mail
28.10.2011 an den WDR WESTPOL Sendung vom 23.
Oktober 2011 Glaubenskrieg
Kinderbetreuung
an die verantwortliche Redakteurin
Martina Koch, (sowie CC Jörg Dräger,
Bertelsmann, CC Birgit Kelle, frau 2000plus e.V.)
Sehr geehrte Frau
Koch,
Sie haben im o.g.
Beitrag eine Gegenüberstellung der Modelle
gebracht, deren eine Seite Birgit Kelle
(selbsterziehende Mutter) und ich als Ärztin (in
Vertretung meines Mannes Dr. Rainer Böhm,
Neuropädiater, Leiter des SPZ Bielefeld und
damit Fachmann für seelische und körperliche
Kinderentwicklung), die andere von Delia Braam
(berufstätige Mutter) und Jörg Dräger
(Vorstandsmitglied Bertelsmann, fachliche
Expertisen in Physik und Betriebswirtschaft)
vertreten wurden.
Sie zitierten
einerseits die NICHD-Studie (USA, Belsky et al.),
andererseits eine Veröffentlichung von
Bertelsmann, und zwar als Pro- und
Contra in jeweils einem Satz zusammen
gefasst. Ihre ZuschauerInnen mussten den
Eindruck gewinnen, dass hier zwei gleichwertige
Arbeiten gegenübergestellt wurden.
Das ist, kurz
gesagt, Desinformation.
Begründung: Die
NICHD-Studie ist in Konzept, Zeitrahmen, Zahlen,
Kontrollen und Auswertung eine umfassende
wissenschaftliche Studie, während die von ihnen
zitierte Veröffentlichung von Bertelsmann unter
den eingangs aufgelisteten wissenschaftlichen
Gesichtspunkten nicht verwertbar ist und gar
nicht als "Studie" bezeichnet werden
sollte. Und während es flankierend zu NICHD
inzwischen zahlreiche Arbeiten gibt, deren
Ergebnisse in eine analoge Richtung gehen, gibt
es weltweit keine einzige Langzeitstudie,
die wissenschaftlich belegt, dass institutionelle
Betreuung von Kindern bis drei Jahre der
familiären Erziehung auch nur gleichwertig ist -
geschweige denn von Vorteil für die seelische
Entwicklung der Kinder wäre.
Sie haben bei
meinem Mann und mir den Eindruck erweckt, Ihre
Zuschauerschaft sachbezogen informieren zu
wollen, damit diese sich eine informierte
Meinung bilden kann. Für diese
journalistisch-redliche Haltung - nur
für diese! - haben wir Ihnen im Vorfeld
Material geschickt und unsere Mitarbeit
angeboten.
Seriöse
redaktionelle Arbeit wäre gewesen zu referieren,
dass auf der Basis aktueller wissenschaftlicher
Ergebnisse Gruppentagesbetreuung in den ersten
beiden Lebensjahren riskant für die seelische
Entwicklung ist, weil sie statistisch signifikant
nachteilige lebenslang wirksame Veränderungen in
der Stress- und Emotionsregulation verursacht.
Diese Mail werde
ich auf meiner Homepage veröffentlichen.
Mit Dank für die
Kenntnisnahme und freundlichen Grüßen,
Dorothea Böhm
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Offene Mail
2.11.2011 an Redakteur Andreas Kegel, BR -
Faszination Wissen - Sendung vom 24. Februar 2011
- Sinn und Unsinn der
frühkindlichen Bildung (Cachedaten-Link, Im
BR-Archiv nicht auffindbar)
Sehr geehrter Herr
Kegel,
im Anschluss an
unseren Mailwechsel von Ende 2010 haben Sie im
Februar 2011 einen Beitrag über
Gruppentagesbetreuung im Kleinkindalter erstellt
("Sinn und Unsinn der
frühkindlichen Bildung ").
Dabei haben Sie
die von mir auf Ihre Anfrage Ende 2010 gelisteten
Studien großenteils außer Acht gelassen und
stattdessen unter anderem Referenzen bemüht,
welche die adäquate fachliche Expertise - und
damit natürlich auch die wissenschaftliche
Verwertbarkeit - vermissen lassen, z.B. die sog.
"Bertelsmann-Studie". (Die
besagte Veröffentlichung dient der
(wirtschaftsorientierten) Einflussnahme, Eltern
zur Inanspruchnahme von Krippen zu bewegen).
Leider machte ich
im Oktober 2011 abermals die Erfahrung, dass sich
Redakteure mit der Bitte um Information aus dem
Themenbereich Kleinkindertagesbetreuung und
frühkindliche Bildung an uns bzw. mich wenden,
im tatsächlichen Beitrag (für den ich als
Interviewpartnerin vor der Kamera auch zur
Verfügung stand) dann aber in dubioser Weise mit
dem Thema umgingen, indem die o.g. Propanda den
echten wissenschafltichen Studien gegenüber
gestellt und implizit als gleichwertig
präsentiert wurde.
Frühpädagogen
verbreiten zwar die Meinung, dass es egal
sei, ob Kleinkinder in der Familie oder in einer
Einrichtung lernen, Hauptsache, die Einrichtung
sei gut, aber Entwicklungspsychologen und
Stressforscher widersprechen dieser Meinung für
die ersten Lebensjahre eines Kinds eindeutig, und
sie belegen dies auch mit Studien -
im Gegensatz zu den Frühpädagogen, die bisher
jeden wissenschaftlichen Beweis der
Vorteilhaftigkeit (oder wenigstens
Ebenbürtigkeit) von Krippenbetreuung gegenüber
Familienerziehung schuldig geblieben sind.
Auch in den von
Ihnen zitierten "benachteiligten
Familien" ist es wesentlich sinnvoller und
effektiver, die Eltern darin zu unterstützen,
dass und wie sie ihre Elternrolle angemessen
ausfüllen können, und ihnen genügend Geld und
Zeit für die Familienerziehungsarbeit
zuzumessen, anstatt dass man ihre Kleinkinder
halb oder gar ganztags von ihnen wegorganisiert.
Für Kinder
zwischen 3 und 6 Jahren kann ein gut
ausgestatteter Kindergarten eine wertvolle
Ergänzung der Familienerziehung sein und ist
daher zu befürworten, aber bis zum dritten
Lebensjahr sind Kinder in ihren Familien in der
Regel viel besser aufgehoben. Nach diesem Stand
des Wissens müsste sich natürlich auch die
Familienpolitik ausrichten, die momentan das
Gegenteil davon tut.
Diese Mail werde
ich auf meiner Homepage veröffentlichen.
Mit Dank für die
Kenntnisnahme und freundlichen Grüßen,
Dorothea Böhm
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Nachruf auf
Wolfgang Bergmann
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